



|
Die Ausstellung
Das Phänomen des Menschenhandels war im heutigen Medea schon lange vor
Ankunft der Albernier bekannt. So war es unter indigenen Stämmen der Region
beispielsweise üblich, nach erfolgreichen Kriegen Frauen und Kinder der
getöteten Gegner in Besitz zu nehmen. Auch durch den Einfluss der Tabun-Inseln,
die schon seit dem achten Jahrhundert nach Christus Handelsbeziehungen mit der
harnarischen Welt pflegten und dabei neben Gewürzen auch Menschen handelten,
war die Region schon mit Sklaverei in Berührung geraten. Dennoch schuf
erst das Aufkommen des transozeanischen Sklavenhandels zwischen Albernia, Medea
und Astor jene verheerende Dimension, die den Schwarzen Kontinent auf Jahrhunderte
hinweg prägen sollte.
 |
Schätzungen gehen heute davon aus, dass zwischen 1500 und 1900 etwa acht
Millionen Sklaven in die Zucker- und Baumwollplantagen der Neuen Welt verschifft
wurden (eine halbe Million davon soll die Door of No Return auf Kazoo
Island durchschritten haben). Für den gesamten Kontinent bedeutete dies,
dass er von 1650 bis 1850 praktisch kein Bevölkerungswachstum erlebte –
in derselben Zeit verdreifachte sich die Bevölkerung in Ländern wie
Winland, Barnstorvia oder den Hollunderlanden. Moderne Medeer benutzen für
diesen brutalen Einschnitt in die Geschichte ihres Volkes, dessen Ausmaß
mit „Sklavenhandel“ nur unzureichend beschrieben wird, gerne den
Ausdruck Maafa: Ein Begriff aus dem Kitabun, der übersetzt soviel
wie „äußerst viele Tote“ bedeutet.
 |
Zur historischen Wahrheit gehört jedoch auch, dass die Albernier bei der
Versklavung der Landbevölkerung eng mit indigenen Stammesführern zusammenarbeiten
konnten. Die Häuptlinge verfolgten dabei mehrere Motive: Mal erschien die
Gelegenheit günstig, einen Jahrzehnte alten Nachbarschaftskonflikt zu lösen,
mal lockten die Kolonialherren mit attraktiven Gegenleistungen wie Waffen oder
Kleidungsstücken. Nach innen wurde die Zusammenarbeit oft damit gerechtfertigt,
dem eigenen Stamm ein Schicksal als Sklaven zu ersparen. Dennoch wird dieser
historische Verrat im heutigen Medea eindeutig als Schande angesehen,
eine breite öffentliche Diskussion darüber hat aber noch nicht stattgefunden.
|